Verhaltensgestört, oder einfach falsch behandelt?

Unser Start in den Kindergarten begann ganz gut.

Mit knapp 3 Jahren sollte mein drittes Kind in eine U3 Gruppe gehen, wenn nicht jetzt wann dann? Erst mit fast 4? Ne nie im Leben. Er ist ja schließlich das dritte Kind der kennt andere Kinder und will raus in die Welt.

 

So meine bzw. unsere Gedanken.

Der Beginn der Eingewöhnung war echt toll. Ich blieb mit dabei. 1 Woche, 2 Wochen und es wurde irgendwie nicht besser, nur schlechter.

Sobald ich aus der Gruppe raus bin, hat er gebrüllt und mich gesucht. Sofort hat mein Kind gewusst das ich nicht nur mal kurz aufs Klo wollte und ich fand es auch mega bescheiden mein Kind so zu verarschen, da ich sonst echt meistens sehr ehrlich zu ihm bin.

 


Meine Kurse die ich gebe, sollten wieder beginnen und so bekamen wir starken Druck das er bis zu einem bestimmten Datum eingewöhnt sein sollte.

 

Das machte die ganze Sache ja nicht besser. Wie ihr euch sicher denken könnt?

Nach langem hin und her beschlossen mein Mann und ich das wir ihn noch ein Jahr weiter zu Hause lassen möchten.

 

ES TAT UNS SOOOOOO GUT!!!

 

 

Nächster Versuch. Ein Jahr später. Knapp 4 Jahre alt ist der Bub zu diesem Zeitpunkt.

Gleicher Kindergarten, andere Gruppe. Er kannte alle dort, da der mittlere Bruder bis vor den Ferien noch dort in den Kiga ging.

Die Erzieherin und auch die Kinderpflegerin waren ein Traum. Tolle Menschen mit dem Herzen am richtigen Fleck.

Empathisch und trotzdem bestimmt. Sie waren ihm in den ersten vier Wochen eine Stütze und sehr gute Begleiter. Für genau das halte ich Erzieher nämlich. Menschen die mein Kind auch auf seinem Weg begleiten.

 

Nach 4 Wochen wechselte die Gruppenleitung.

Mein Kind, das nichts schlimmer findet als ständigen Wechsel, war also nicht gerade begeistert und klammerte sich nur noch an die Kinderpflegerin und lies die „Neue“ mehr als links liegen.

Das gefiel der neuen Erzieherin überhaupt nicht, das ein Kind die Pflegerin mehr akzeptiert als sie, die ja viel mehr zu sagen hat.

Naja was soll´s, zurück zu meinem Kind.

Er wurde anfangs nur etwas auffälliger in der Hinsicht das er einfach mehr Aufmerksam forderte.

Er wurde

LAUT

AUFMÜPFIG

ÄRGERTE ANDERE KINDER

schlicht und einfach MEGA anstrengend. (nicht nur für den Kindergarten)

 

Ein solches Kind was man eben gerne mal lieber früher als später aus einer Gruppe raus haben möchte, wenn man selber nicht damit zurecht kommt.

 

Die nächsten Wochen wurden für uns zur Qual.

Diese mega anstrengende Verhalten siedelte auch zu uns nach Hause über. Dieses Kind kannte ich nicht. Das war nicht mein Sohn den ich da jeden Tag mit nach Hause nahm.

Aggressiv, laut und nur noch wütend,  schrie dieses Kind hier zu Hause herum. Schlug alles was ihm in den Weg kam und war echt kaum noch zu bändigen.

Im Kindergarten wurde seine Natur alles zu wissen und überall dabei zu sein so unterdrückt, das er hier in seiner sicheren Umgebung ALLES angestaute wieder raus lassen musste.

Es war so schlimm und einfach nur ANSTRENGEND für uns alle.

Wenn man  dass Ganze einmal aus der Sicht eines Erwachsenen sehen würde der jeden Tag in eine Gemeinschaft gehen müsste, in der er nicht wichtig ist und nicht gesehen wird, würde dieser Erwachsene sich auch verändern. Mit Sicherheit nicht so sehr nach außen sondern eher im Inneren. Nicht umsonst kennen wir Krankheiten wie Depressionen usw.

Nur Kinder sind nicht so. Sie fressen erst mal nichts nach innen. Es muss RAUS und zwar SOFORT!!!! Wir kennen das dann als unangemessenes Verhalten.

 

Mein Kind fing also an zu hauen, zu spucken, zu kratzen. Er legte sich beim Essen unter die Tische. Zog seine Schuhe nicht an und machte sich den ganzen Vormittag vor den anderen Kindern zum Affen.

NUR UM SPAß ZU HABEN: IHM WAR LANGWEILIG.

Wie schrecklich langweilig ist es für ein Kind, das von zu Hause kennt alles zu untersuchen, zu hinterfragen und einfach seiner Neugierde nachzugehen, wenn es auf einmal nur noch ruhig und brav zu sein hat. Wenn es nur noch Sachen machen muss die andere ihm vorgeben.

Das ist nicht mein Kind.

 

Dieses Kind sagt was es will und vor allem was es nicht will. Er hinterfragt alles was nicht sofort logisch für seinen Kopf erscheint und das ist einfach nun mal unbequem für eine Erzieherin die absolut überfordert mich sich selbst und einem Kind wie diesem ist.

 

JEDES ABHOLEN WURDE ZUR QUAL FÜR MICH

 

Jeden Mittag als ich zum Abholen kam stand die Erzieherin schon an der Tür, bereit um mir die aktuellen Schandtaten vom heutigen Tag mitzuteilen.

Jeden Tag musste ich mir anhören wie schrecklich doch mein Kind ist. (Unterschwellig natürlich durch meine nicht vorhandene Erziehung verursacht)

JEDEN TAG WURDE ES SCHLIMMER

Die Lage wurde immer (im Nachhinein) skurriler. Die Erzieherin war ständig krank und die Kinderpflegerin war auch weg. Kur.

Somit hatte mein Sohn keine feste Person an die er sich halten konnte. An der er Halt fand.

Eines Tages kam die Erzieherin und meinte ich sollte meinen Sohn doch bitte in eine SVE Einrichtung geben. (Schulvorbereitende Einrichtung. Ein Förderkindergarten.)

ICH WAR GESCHOCKT

Diese Einrichtung war mir sehr bekannt, da wir uns die Einrichtung für unseren großen Sohn vor Schuleintritt angeschaut hatte. Ich habe mir geschworen nie wieder einem meiner Kinder ein Förderprogramm anzutun. EGAL WELCHES. Das gehörte auch dazu.

Die Spiele waren also eröffnet. Eine Diskussion mit der Erzieherin begann.

Es vielen ziemlich unschöne Worte wie, Verhaltensauffällig und Verhaltensgestört. Wir sollten doch mal zur Erziehungsberatungsstelle mit diesem Kind (sie sollte evtl. mal zur Berufsberatung gehen)

KLÄRENDES ELTERNGESPRÄCH…?!?!

Das Gespräch sollte die Lage bessern. Es wurde alles abgestritten. Ich möchte an dieser Stelle auch überhaupt nicht näher auf diese Sache eingehen. Es lief sehr unfair ab und auch die Kündigung des Vertrages hatte so seine eigene Geschichte.

Ende vom Lied war dann das mein Kind ab diesem Gespräch diese Einrichtung (den Kiga in dem wir mit allen Kindern insgesamt 8 Jahre waren) nie mehr betreten hat. (von jetzt auf gleich, und das auch nie wieder tun wird)

 

SO WAS JETZT???????

Die Suche begann. Ein neuer Kindergarten sollte her. Doch die ganze Sache gestaltete sich nicht leicht. ALLES VOLL – ÜBERALL

Ok. bleibt das Kind halt wieder bis September zu Hause. In mir arbeitete es. Bin ich schuld? Ist es wirklich gut für das Kind? Wieder  zu Hause. Schaffe ich das überhaupt? Ich hatte 2 Kurse aktuell am laufen.

Nach kurzem hin und her überlegen fassten wir den Entschluss das es einfach so sein soll. Wir überbrückten die Zeit der Kurse mit unserer Haushaltshilfe, die sich wieder einmal als ein wahrer Engel auf Erden erwies.

BEKOMMEN WIR NOCH EINEN PLATZ DIESES JAHR

In mir arbeitet es immer weiter.

Bekommen wir wohl noch einen Platz. Irgendeinen wollten wir ja nicht. Wir wollten einen guten.

 

Die erste Absage kam

Oh nein und jetzt?

 

Meine Freundin sagte: Melde ihn doch bei uns auch noch an.

Gesagt, getan.

 

KAUM ZU GLAUBEN-ABER WAHR

 

Dieser Kindergarten empfing und so herzlich bei der Anmeldung. Ein Traum

Also Kind guten Gewissens angemeldet und gehofft.

In mir machte sich so langsam das Gefühlt breit, der Kiga der als erstes einen Platz frei hat wird dann auch der richtige für uns sein. Das Universum lenkt alles so das es gut wird.

 

DER ANRUF ALLER ANRUFE

Eine Woche später hatten wir einen Platz. Obwohl alles voll war ergatterten wir durch einen Umzug einer Familie den heiß begehrten Platz.

 

DAS ERWACHEN…

…kam bei der 3. Schnupperstunde. Eigentlich schon bei der 2.

Mein Kind das im Kindergarten nur Druck und ja man kann es so nenne Unterdrückung erfahren hatte, probierte hier natürlich auch ebenfalls alles aus.

So lange er Spaß hatte und was erleben konnte war alles gut, wenn aber Essenzeit war und alle sich an den Tisch setzten sollten, machte er Faxen und wollte nicht an den Tisch. Klar da erlebt man ja nix, mega langweilig.

Ich, im alten Muster gefangen, sagte er solle sich halt mit hinsetzen. Die Erzieherin sagte dann, lassen sie ihn, spätestens wenn er Hunger hat später in der Gruppe oder dann mit Freunden, wird er sich schon setzen. Wenn nicht, er muss ja nicht.

In der nächsten Stunde habe ich mich bei den Beiden bedankt.

SIE HOLEN MEIN KIND DA AB WO ES STEHT…

und geben ihm sofort wieder etwas wichtiges zu tun. Mit welcher Empathie sie bemerken was in diesem Kind vorgeht ist so toll zu sehen.

MIR KAMEN DIE TRÄNEN

Sie wussten nicht was wir durch hatten. Ich erklärte. Da weinten auch sie.

„Er macht es uns doch so einfach und zeigt genau was er braucht und dann bekommt er einfach eine sinnvolle Aufgabe. Er will einfach gebraucht werden.“

Und genau das ist es was Kinder wollen, sie wollen gebraucht werden, gesehen werden und ja sie wollen in erster Linie kooperieren.

Ich bin mir ganz sicher das wir einen guten Start im September haben werden und das er in diesem Kindergarten sehr gut aufgehoben ist.

 

ZUM GUTEN SCHLUSS

 

Lasst euch nie einreden eure Kinder seihen schlecht oder ihr habt etwas falsch gemacht. Sie sind alle toll. Jeder kann irgendwas besser mit dem er anderen Menschen helfen kann. Jeder macht seine Erfahrungen und vor allem Entwicklung in seinem eigenen Tempo durch.

 

Stellt euch für eure tollen Kinder mitten ins Feuer. Sie sind die Menschen die unsere Zukunft werden.

 

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